Teufelsberg – was ich über ein vergessenes Stück deutscher Geschichte herausgefunden habe

Hast du schon mal vom Teufelsberg in Berlin gehört? Da ich mal 2 Jahre da gelebt habe, kannte ich den Teufelsberg zwar vom Namen, war aber nie dort gewesen. Das letzte Mal war ich vor ein paar Wochen in Berlin, auf dem Hinweg und Heimweg von der Paddeltour auf der Mecklenburgischen Seenplatte. Wenn ich dort bin, versuche ich die Sehenswürdigkeiten, die ich noch nicht kenne, von meiner Bucket List zu streichen. Dieses Mal stand also der Teufelsberg auf dem Plan und eine Freundin entschloss sich spontan, mitzukommen.

Der Teufelsberg – Geschichte

Der Teufelsberg ist aus den Trümmern des Zweiten Weltkriegs aufgeschüttet und wurde anschließend begrünt. In den 50er Jahren wurde dort von den Amerikanern eine Abhör- und Radarstation gebaut, die sie nutzten, um den Flugverkehr zu überwachen und in das russische Gebiet hineinzuhorchen und zu spionieren. Seit der Wiedervereinigung wurde das Gelände für verschiedene Zwecke genutzt, ein Bauprojekt für Luxuswohnungen scheiterte am Protest der Anwohner. Inzwischen ist das Gelände dem Verfall Preis gegeben. Einige Künstler nutzen Teile als Atelier. Ein geschichtsträchtiger Ort, der spannendes verheißt. Ich wollte das alles unbedingt mit eigenen Augen sehen.

Teufelsberg

Die 3 markanten Abhörkuppeln

Der Teufelsberg – Führungen

In den letzten Jahren gab es einige Streitigkeiten um das Thema Führungen. Früher wurde das Gelände streng bewacht und durfte als ehemaliges Militärgelände gar nicht betreten werden, dann wurde es sich selbst überlassen, was zu Vandalismus führte. 2011 wurden das erste Mal Führungen über das Gelände angeboten. Nun ist seit November 2015 ein neuer Pächter für die Führungen auf dem Teufelsberg zuständig.

Teufelsberg

Es gibt zwei verschiedene Arten von Führungen:

  1. Die stille Führung

    Sie dauert 60 Minuten, kostet 7 Euro und man läuft anscheinend (ich habe sie selbst nicht gemacht) über das Gelände und sieht die wichtigsten Sachen. Je nach Führer kann es auch sein, dass ein bisschen was erzählt wird.

  2. Die historische Führung

    Sie dauert 90 Minuten und kostet 15 Euro. Diese machen meine Freundin und ich mit. Im Internet finden sich viele Bewertungen und Kommentare zu beiden Arten von Führungen. Nach dem Lesen bin ich mir sehr unsicher, denn einige schreiben, dass sich die 15 Euro nicht lohnen würden. Letztendlich entscheide ich mich trotzdem für diese, weil ich mir denke: wenn schon, denn schon!

 

Und ich bereue es nicht! Wir haben einen sehr informierten Führer, der kurzweilig auf deutsch und englisch über viele der Geschehnisse auf dem Teufelsberg seit der Kaiserzeit berichtet. Es fand hier zum Beispiel ein Skiweltcuprennen statt und es wurde Wein angebaut.

Das Wetter ist bombastisch, stahlblauer Himmel mit nur einigen wenigen Schleierwolken, sodass die Abhör- und Radaranlagen wirklich super auf den Fotos herauskommen. Auf dem Gelände befindet sich mit mehr als 300 Wandbildern auch die wahrscheinlich größte Graffiti-Galerie der Welt, sodass das Gelände bunt und lebendig wirkt, ein krasser Gegensatz zu den sonst so trostlosen und verwahrlosten Gebäuden. Wir erfahren, dass es dort bis heute kein fließendes Wasser und keinen Strom gibt.

Teufelsberg

Teufelsberg

Teufelsberg

Teufelsberg
Das Highlight ist der Aufstieg auf das Flachdach, auf dem zwei der Abhörkuppeln stehen. Der Blick über Berlin ist fantastisch und sucht seinesgleichen. Man sieht in einer Linie den Funkturm (an der Messe in Westberlin) und den Fernsehturm (am Alexanderplatz im Osten). Die dünnen Stoffwände der Abhörkuppeln sind schon ziemlich zerstört und auch mit viel Graffiti dekoriert. Aber gerade das heruntergekommene macht den Charme dieses Ortes aus.

Teufelsberg

Teufelsberg

Teufelsberg

Teufelsberg

Anschließend steigen wir im Stockdunkeln auf den höchsten Turm auf dem Teufelsberg, der eine modernere Kuppel aus Stahlplatten hat und deshalb noch intakt ist. In dieser kann man spannende akustische Experimente machen und es finden manchmal auch Konzerte in ihr statt.

Teufelsberg – Ticketkauf

Die Tickets kauften wir schon vorher online über GetYourGuide. Ich kannte die App vorher noch nicht, aber meine Freundin hatte schon gute Erfahrungen damit gemacht.

Teufelsberg

Ein Backofen, der im oberen Teil als Sauna genutzt werden kann

Teufelsberg

Teufelsberg – Anreise

Mit dem Auto ist die Anreise kein Problem. Man kann am Fuße des Teufelsbergs parken.

Die Anreise mit den öffentlichen Verkehrsmitteln würde ich als abenteuerlich bezeichnen. Man muss erst mal Richtung Messe/ICC und dann mit dem Bus weiter, zu Fuß von der S Heerstraße oder mit der S-Bahn bis zur Station Grunewald. In allen Fällen läuft man dann nochmal ein ganzes Stück (zwischen 25 und 45 Minuten) durch den Grunewald, der aber wunderschön ist.

Ich kam von der Station Grunewald und lief sehr zügig 40 Minuten. Ohne funktionierendes Handy mit GPS hat man eigentlich keine Chance, von dort aus den Teufelsberg zu finden, der mitten im Grunewald liegt.

Teufelsberg

Das hier sollte mal eine Luxuswohnung werden

Teufelsberg

Teufelsberg – Fazit

Meiner Freundin und mir hat der Besuch auf dem Teufelsberg mit der historischen Führung wahnsinnig gut gefallen. War ich doch anfangs sehr skeptisch wegen der vielen kontroversen Bewertungen, hat mich das Ambiente, die Geschichte des Ortes, die Führung und die spektakuläre Sicht über Berlin absolut überzeugt! Ich empfehle dir, wenn du das Brandenburger Tor, den Reichstag und den Alexanderplatz gesehen hast und auf der Suche nach etwas außergewöhnlichem bist, die Anreise auf dich zu nehmen! Du wirst belohnt werden!

Teufelsberg

Blick auf Funk- und Fernsehturm

Teufelsberg

Teufelsberg

Teufelsberg

Mehr Infos findest du auf der offiziellen Seite des Teufelsbergs.

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