Reisen und Zero Waste – das passt doch nicht zusammen! Oder doch?

In letzter Zeit wurde ich des öfteren gefragt: wieso kombinierst du denn Reisen und Zero Waste? Was hat das denn miteinander zu tun?

Deswegen dachte ich, es sei mal an der Zeit, darüber zu schreiben… wie kam es überhaupt dazu?
Aaaaalso: ich reise einfach für mein Leben gerne. Punkt. Ich fühle mich vor allem da wohl, wo es warm ist, und dafür muss man vor allem im Winter aus Deutschland raus. Ich bin sehr gerne da, wo Strand und Meer sind. Außerdem lerne ich gerne neue Menschen und Kulturen kennen. Ich finde es immer wieder spannend zu sehen, dass die Menschen woanders etwas komplett anders machen als in Deutschland, obwohl ich bisher immer dachte, dass es gar nicht anders gemacht werden kann. Beispiel gefällig? In Deutschland kauft man sein Busticket entweder am Automaten oder beim Fahrer. In vielen anderen Ländern ebenso. In Brasilien hat der Busfahrer mit dem Ticketverkauf meist gar nichts am Hut. Dafür gibt es ein Drehkreuz gleich hinter dem Busfahrer, und dort sitzt ein weiterer Mitarbeiter, der die Leute am Drehkreuz abkassiert und dann einen Knopf drückt, damit sie durchgehen können. Fand ich megaspannend, ich wäre vorher nie darauf gekommen, dass man das auch so machen kann. So weit, so gut zum Thema Reisen.

Kommen wir nun zum Thema Zero Waste. Ich bin darauf ca. im Januar 2015 gestoßen, als ich durch Zufall auf den Namen Bea Johnson stieß, die der Guru auf diesem Gebiet ist. Die Französin lebt mit ihrem Mann und zwei Kindern in Kalifornien und hat mich mit ihrem Ansatz von Beginn an fasziniert. Ich fand den Gedanken total spannend, gänzlich ohne Müll zu produzieren zu leben (ein Einmachglas pro Jahr ist alles, was bei der vierköpfigen Familie anfällt), hätte mir vorher aber nie vorstellen können, dass das überhaupt möglich ist. Man braucht dafür natürlich ein bisschen Equipment: einige Behälter (vorzugsweise aus Glas oder Edelstahl), in denen man Lebensmittel, aber auch Kosmetik aufbewahren kann zum Beispiel. Zu der Zeit, als ich über Beas Zero Waste Home las, war ich gerade auf Weltreise. Ich nahm mir vor, Auszüge auszuprobieren, sobald ich wieder zu Hause sein würde. Das tat ich dann auch. Ich fing an, darauf zu achten, was in meinem Haushalt so alles an Müll anfällt und wie ich diesen vermeiden kann.

Irgendwann fing ich dann an, darüber nachzudenken, wie ich das wohl auf meinen nächsten längeren Reisen umsetzen würde. Und mir wurde recht schnell klar, dass Zero Waste auf Reisen wesentlich schwieriger umzusetzen ist als zu Hause. Klar, ich kann natürlich im Supermarkt auf Plastiktüten verzichten, das ist noch relativ easy. Aber ich kann ja schlecht meine ganzen Einmachgläser mit mir herumschleppen, damit ich dann unverpackt einkaufen kann. Außerdem gibt es nicht überall solche Läden. Auch Wasser ist ein Problem: in vielen Ländern sollte man das Leitungswasser besser nicht trinken. Alternativ bleibt nur abgepacktes Wasser aus dem Supermarkt. Nicht wirklich Zero Waste.

Da ich zur Kombination von diesen beiden Themen nicht viel im Internet finden konnte, möchte ich mich nun der Herausforderung stellen und herausfinden, wie man Zero Waste auf Reisen am Besten umsetzen kann. Hilfst du mir dabei? Wenn du Tipps und Tricks für mich hast, dann immer rein damit in die Kommentare!

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5 Replies to “Reisen und Zero Waste – das passt doch nicht zusammen! Oder doch?”

  1. Laura

    Hall Daniela,
    Hast du Erfahrung mit Zero Waste auf Asien-Reisen? Ich fliege demnächst für mehrere Wochen nach Asien, werde meine Brotdosde, meine Spork und auch einen Einkaufsbeutel mitnehmen, aber das Allereinfachste, um Müll zu vermeiden, wird mir dort wohl nicht gelingen: Trinkflasche auffüllen statt Wasser aus Plastikflaschen. Nach meiner bisherigen Recherche ist es nicht sonderlich ratsam, dort Leitungswasser zu trinken… Du hast nicht zufällig irgendwelche Tips für mich?

    • Daniela Autor dieses Beitrags:

      Hallo Laura,
      ja, du hast Recht, in Asien ist es nicht ratsam, das Leitungswasser zu trinken. Ich würde dir empfehlen, immer die größtmöglichen Plastikflaschen zu kaufen und dann in deine eigene Flasche (z.B. aus Edelstahl) umzufüllen. So sparst du Plastik im Gegensatz zum Kauf vieler kleiner Flaschen. Einige Leute haben auch ihren eigenen UV-Stick, um das Wasser zu entkeimen, damit habe ich allerdings selbst keine Erfahrung.
      Viele Grüße und eine gute Reise,
      Daniela

  2. Hagen

    Auf Bitte von Daniela möchte ich hier meine Mail an sie, zu Trinkwasser auf Reisen ohne Müllaufkommen, mit euch teilen. Viel Spaß beim Lesen 🙂

    Hallo Daniela,

    ich bin in einem Tweet von atmosfair auf dich gestoßen und habe gleich mal ein bisschen zum Thema Zero Waste auf Reisen auf deiner Seite nachgelesen. Meine Frau und ich sind auf Reisen nun auch seit längerem nicht mehr damit zufrieden das bisschen Müll, was man tragen kann, aufzusammeln. Es kommt einem einfach als viel zu kleiner Beitrag vor, angesichts der Müllmengen die man weltweit findet. Von der Sinnhaftigkeit des Müllsammelns in Ländern ohne Abfallentsorgung/Recycling ganz zu schweigen. Man würde eben gern mehr tun um die Umweltbelastung beim großartigen, aber eben irgendwie auch egoistischen Reisen zu minimieren.

    Da du im Beitrag „Reisen und Zero Waste“ nach Tipps gefragt hast, würde ich gern unsere Erfahrung beim Trinkwasser ohne Plastikflaschen unterwegs mit dir teilen:

    Dabei verzichten wir zumeist sowohl auf Leitungswasser, als auch auf Wasser aus Plastikflaschen. In der Natur ist mehr trinkbares Wasser verfügbar als man manchmal annimmt. Bei Reisen in Skandinavien ist das am einfachsten, da dort wirklich viele Gewässer trinkbar sind. Ein paar grundsätzliche Dinge wie, keine intensive Landwirtschaft in der Nähe oder größere Stadt am Wasserlauf sollte man zwar dennoch beachten, aber oft sind sogar stehende Gewässer von guter Qualität.

    Ähnlich einfach findet sich in den verschiedensten Gebirgen in Europa oberirdisches Trinkwasser. Selbst Berge ohne Vergletscherung führen an ihren Hängen noch lange nach heftigen Niederschlägen Trinkwasserbäche und Flüsse. Beachten muss man hier meist nur die Nähe zur Viehwirtschaft, die aber oft nicht so intensiv ist. Wenn das Wasser auf seinem Weg ins Tal keine Ansiedlung durchfließt (vgl. auf Karten/GPS/GoogleMaps) Trinken wir es auch am Fuß der Berge noch bedenkenlos.
    In alten z.T. wasserarmen Kulturlandschaften wie Griechenland ist dieses oberirdische Trinkwasser oft schon kanalisiert und tritt dann in den Dörfern und Städten frei für jedermann ans Tageslicht. Zum Teil werden diese künstlichen Trinkwasserquellen auch von Zisternen gespeist. Hier ist schon etwas mehr Vorsicht geboten. Der allgemeine Zustand der Quelle/Zisterne war da bis jetzt für uns immer ausschlaggebend und im Zweifelsfall helfen auch die Einheimischen bei dieser Frage, ob trinkbar oder nicht, gelegentlich weiter. Leider wissen aber auch die manchmal nur noch, dass Nestlé-Flaschen-Wasser das angeblich einzig gute Wasser ist. Ähnliche Trinkwasserbrunnen wie in Griechenland gab es aus eigener Erfahrung in Mazedonien und laut einem Vortrag, den ich vor einiger Zeit in der Reisekneipe von Dresden besucht habe, viel in der Westtürkei.

    Für die Wassersuche in Karstregionen (Kalkstein) wie in Griechenland oder Teilen der Alpen habe ich vor einiger Zeit einen guten Videobeitrag von Johannes (Joe) Vogel von vivalranger.com gesehen, aber gerade leider nicht zur Hand. In diesen äußerlich erst einmal sehr trockenen Gegenden gibt es unterirdisch Wasser von guter Qualität. Mit Hilfe von GPS/GoogleMaps/Tierbeobachtung oder Einheimischen findet sich da auch oft eine natürliche Quelle mit einem guten Schluck.

    Auf diese Weise kommen wir auf unseren Reisen in Europa normalerweise komplett ohne Flaschenwasser aus. Ein Kanister mit 30L Wasser im Auto reicht da für etwa eine Woche (Essen und Trinken für 2 Erwachsene mit Baby). Bei Trekkingreisen in die Berge (egal ob GR oder N) ist das allerdings nicht nötig, da kommen wir mit je einer 1L Trinkflasche pro Kopf aus, weil regelmäßiges Auffüllen möglich ist.

    Alles Wasser von dem bis jetzt die Rede war trinken wir ungefiltert und ungekocht. Wenn solches aber doch einmal nicht verfügbar sein sollte, dann schwenken wir entweder auf Leitungswasser um (weißt du ja, in wie vielen Ländern das nicht geht) bzw. haben noch einen sehr kleinen, günstigen, leichten Wasserfilter dabei (https://www.globetrotter.de/shop/care-plus-sawyer-wasserfilter-254045?ref=MMA5QO379). Der filtert ziemlich schnell und verursacht keinen Müll, weil man ihn reinigen kann und er somit weit über 300.000 Liter schafft. Nachteil daran: es kommt nur klares Wasser ohne Schwermetallbelastung in Frage und bei Verdacht auf Viren (z.B. intensive Viehweide oder Fäkalien am Wasser) muss noch abgekocht werden.

    Sind wir uns einmal über die Wasserqualität unsicher, dann handhaben wir es ähnlich wie es für Genießbarkeitstests für Pflanzen empfohlen wird: eine kleine Menge probieren, eine bestimmte Zeit abwarten ob es bekömmlich war, dann etwas mehr probieren, wieder warten und so weiter… (ob das in den Tropen allerdings auch eine gute Idee ist weiß ich nicht :p).
    Bei solchen Experimente sollten aber Kohletabletten gegen Durchfall in der Reiseapotheke sein.

    Für den absoluten Notfall sind dann noch ein paar Chlortabletten im Rucksack dabei, da die keinen Platz wegnehmen und für fast jedes Wasser taugen. Zum Glück brauchten wir die, genauso wie die Kohletabletten, noch nie. Bis jetzt ist immer alles gut gegangen.

    Ich hoffe das konnte dir ein bisschen weiterhelfen, denn leider gibt es noch zu wenige kostenlos nutzbare Trinkwasserprojekte wie in Wien (https://www.wien.gv.at/rk/msg/2012/07/10004.html).

    Auf jeden Fall freue ich mich auf weitere Beiträge von Dir zu Zero Waste und wünsche eine angenehme Woche,

    Hagen

  3. Markus

    Hallo Daniela,

    spannende Sache, die du da anpackst. Bin sehr gespannt auf deine Tipps zum Reisen im Zusammenhang mit Müll. Mich beschäftigt das Thema auch, aber es ist manchmal wie ein Teufelskreis.

    Ich bin gerade in Sri Lanka und hier haben die Leute einfach keinen Sinn für Müll. Kleine kostprobe:
    Ich sitze im Zug von Colombo nach Galle. Neben mir trinkt ein kleiner Bub seinen Milchtetrapak leer. Fragend gibt er den leeren Behälter seinem Papa. Der nimmt ihn und wirft ihn ohne zu zögern aus dem Fenster. Hmmm…

    Naja, freu mich trotzdem auf die nächsten Beiträge.
    Gruß, Markus

    • Daniela Autor dieses Beitrags:

      Hallo Markus,
      ja, das oder ähnliches habe ich auch schon sehr oft erlebt in anderen Ländern. Das tut mir dann immer in der Seele weh! Aber genau deshalb möchte ich ja gegen diese Ignoranz kämpfen. Denn ich bin der festen Überzeugung, dass, wenn WIR ein gutes Beispiel abgeben, das dann irgendwann jeden Teil der Welt erreichen wird!
      Bleib dran!
      Viele Grüße,
      Daniela

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