Osterinsel – welche Geheimnisse am Ende der Welt auf dich warten

Seit Jahren will ich schon hierhin. Eine kleine Insel im Pazifik. Und so war sie auch eine der ersten Destinationen, die mit in meine Weltreise eingeplant wurden: die Osterinsel.

Osterinsel – erster Eindruck

Osterinsel

Vom Flugzeug aus sieht man schon, wie kahl die Insel ist. Früher war sie mit dichtem Dschungel bewachsen, aber es wurde leider alles abgeholzt. Die Landebahn ist mit 3,4 km Länge übrigens die längste in Südamerika, weil die NASA sie als potentielle Ausweichlandeplatz für ihre Raumschiffe ausgebaut hat. Ich werde von meinem Hostel abgeholt, wir fahren einmal kurz durch den Hauptort, Hanga Roa, eher ein verschlafenes Dorf, das einzige auf der Insel (der Rest ist Nationalpark). Es gibt eine längere Hauptstraße, da ist alles zu finden, was man so braucht: Supermarkt, Autovermietung, Restaurants.

Osterinsel – Name und Geographie

Die Osterinsel heißt so, weil ein Europäer sie eines Ostersonntags „entdeckt“ hat. Analog zur Weihnachtsinsel übrigens. Der traditionelle Name ist „Rapa Nui“. Die Insel besteht aus drei großen erloschenen Vulkanen, die in einem Dreieck angeordnet sind, und ca. 70 kleineren Vulkanen. Die Insel ist einer der abgeschiedensten Orte auf der Erde: bis zur nächsten bewohnten Insel sind es über 2000 km, bis nach Tahiti ca. 4000 km, bis aufs chilenische Festland 3700 km. Unglaublich, wenn man sich das überlegt! Die Insel gehört zwar geographisch zu Chile und es wird Spanisch gesprochen, aber kulturell gehört die Insel zum polynesischen Dreieck zwischen Hawaii, Neuseeland und eben der Osterinsel.

Deswegen wird auch die gleichnamige Sprache Rapa Nui (zusätzlich zu Spanisch) gesprochen sowie in der Schule gelehrt und der polynesische Hintergrund ist auch im Alltag spürbar.

Osterinsel – Geschichte

Osterinsel

Die Geschichte der Osterinsel ist eigentlich ziemlich traurig. Die Besiedlung soll um 400 n. Chr. angefangen haben, und zwar von Polynesien aus. Es wird überliefert, dass die Insel aufgrund der Abholzungen aller 10 Millionen Palmen (zum Transport der Moai, der großen Steinstatuen) ab dem 14. Jahrhundert sowohl auf eine ökologische als auch eine kulturelle Katastrophe zusteuerte. In der Blütezeit um das 16. und 17. Jahrhundert zählte die Osterinsel noch 10.000 Einwohner. Dann gab es einen Krieg zwischen der geistigen Elite des Landes (Langohren) und dem Rest (Kurzohren), bei dem die Langohren komplett vernichtet wurden. Weitere Stammesfehden und eingeschleppte Krankheiten durch die Europäer und Nahrungsknappheit im 19. Jahrhundert führten dazu, dass die Moai-Statuen nach und nach umgeworfen wurden und im Jahr 1877 nur noch 111 Menschen auf der Osterinsel lebten. Heute leben um die 7.000 Einwohner dort.

Wer mehr über diese faszinierende Insel erfahren möchte: ich fand www.osterinsel-info.de sehr hilfreich.

Osterinsel – Kultur

Ich werde vom Tourbus bei meinem Hostel abgeholt und es geht gleich zur ersten archäologischen Stätte mit den ersten Moai. Sie wurden in einem Stammeskampf im 19. Jahrhundert alle umgestoßen, sodass viele noch mit dem Gesicht nach unten liegen. Alle aufgerichteten Statuen sind also restauriert. Die Moai stellten wahrscheinlich die Ahnen der Familie dar, und die Gebeine wurden unter den Plattformen, den Ahus, vergraben. Fast alle Moai stehen am Meer und schauen ins Landesinnere, um ihre Nachfahren zu beschützen. Genaues ist aber nicht überliefert und so ist fast alles über die Insel Spekulation.

Einer der eindrucksvollsten Orte für mich ist Tongariki, dort stehen 15 Moai in einer Reihe, die größte Ansammlung auf der Osterinsel. Einer der größten Moai, der zu einem Ahu transportiert wurde, ist fast 10m hoch und wiegt über 80 Tonnen.

Osterinsel

Wir fahren weiter zum Vulkan Ranu Rakau, wo alle Moai hergestellt wurden. Man sieht viele Moai in unterschiedlichen Stadien der Fertigung. Der größte, der noch mit dem Felsen verbunden ist, ist 20 m hoch. Wie die Moai von dieser Fertigungsstätte zu ihren Bestimmungsorten kamen, bleibt ein Rätsel, es gibt allerdings verschiedene Theorien. Manche sagen, sie seien liegend transportiert worden, andere glauben, sie sind „gelaufen“, indem man Seile abwechselnd rechts und links der aufrechten Statue zog. Mich fasziniert diese ganze geheimnisvolle Geschichte der Insel sehr!

Osterinsel

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Am Ende des Tages kommen wir zum Strand Anakena, einem von nur zwei kleinen Sandstränden der Insel, wo auch 5 Moai stehen. Mir ist das Wasser zu kalt, um zu baden.

Osterinsel

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Abends schauen wir uns den Sonnenuntergang bei einem der Ahus in der Nähe des Hauptortes Hanga Roa an, was traumhaft schön ist.

Osterinsel

Ich lerne auf der Tour einige andere Reisende kennen, mit denen ich für einen Tag ein Auto leihe. Wir treffen uns also am nächsten Morgen schon früh, um den Sonnenaufgang in Tongariki anzuschauen. Ich finde es super kalt. Mit dem Auto fahren wir kreuz und quer über die Insel. Wir schauen uns Vulkane und deren Krater an, genießen die Aussicht von oben, sehen antike Kultstätten, Höhlen und natürlich noch mehr Moai und Ahus.

Osterinsel

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Vulkankrater mit speziellem einzigartigen Mikroklima

Auch über den bekannten Vogelmann-Kult lernen wir hautnah alles Wissenswerte. Dieser wurde in einer späteren Periode in der Entwicklung der Insel praktiziert. Einmal pro Jahr schwammen Männer von der Hauptinsel zu einer Motu (kleine Nebeninsel), um dort als erster ein bestimmtes Vogelei zu finden und zur Hauptinsel zurück zu bringen. Falls Sie die Haie überlebten. Der, der erfolgreich war, durfte er ein Jahr lang über die gesamte Insel und alle Clans regieren.

Mit dem Auto schaffen wir an einem Tag so viel, dass fast nichts mehr anzuschauen bleibt für die nächsten Tage. Abends besuchen wir eine traditionelle Tanzshow der Rapa Nui, sie ist ähnlich wie die polynesischen Tanzshows. Sie ist wirklich toll und interessant anzusehen.

Osterinsel

Am nächsten Tag treffen wir uns beim Museum. Es ist super klein, aber sehr interessant. Es zeigt unter anderem eines von nur drei gefundenen Augen der Moai aus Korallenkalk. Anschließend schauen wir uns die örtliche Kirche an, die interessante Statuen aus Holz hat und die bald umgebaut wird, mit vielen Analogien zur Tradition der Insel.

Am nächsten Tag wollen wir eigentlich den höchsten Punkt der Insel besteigen, den Vulkan Terevaka, der 500m hoch ist. Aber das Wetter spielt leider gar nicht mit, es regnet alle 10 Minuten für 5 Minuten. So lassen wir es ruhig angehen.

Osterinsel – Fortbewegung auf der Insel

Die Osterinsel bietet viele Arten der Fortbewegung, um zu den typischen Sehenswürdigkeiten (Moai und Ahus) zu kommen. Eine der beliebtesten Arten, sich auf der Osterinsel fortzubewegen, ist das Pferd. Man kann geführte Reittouren zu den Sehenswürdigkeiten buchen. Auch Räder kann man sich ausleihen und da die längste Strecke von Hanga Roa, dem Hauptort, bis ans andere Ende der Insel nur 18 km beträgt, kann man das auch gut auf dem Rad bewältigen. Ansonsten gibt es einige Autovermietungen auf der Insel. So kommst du noch schneller herum und brauchst insgesamt weniger Zeit für das Sightseeing. Um die Insel herum kann man auch tauchen, man kann auch einen Moai unter Wasser bewundern. Auf die 3 Vulkane kann man wunderbar in ein paar Stunden hochwandern, der höchste ist nur 500m hoch. Der Ausblick über die Insel ist die Mühe auf jeden Fall wert.

Osterinsel – Unterkünfte

Dafür, dass die Insel so klein ist und nur einen Ort hat, gibt es sehr viele Betten. Es gibt mehrere Hostels, Hotels von einfach bis luxuriös und auch viele Privatunterkünfte. Selbst, wenn man nicht vorgebucht hat, findet man am Flughafen immer noch Leute, die einem ein Zimmer anbieten. Ich bin in einem Hostel im 4er-Schlafsaal, in dem ich fast durchgängig alleine bin. Dort bekomme ich auch viele gute Tipps für Unternehmungen. Allerdings kann ich es nicht empfehlen, denn im Laufe der Zeit gibt es ziemlich viele Missverständnisse, was einmal kein Frühstück und auch Probleme beim Checkout bedeutet. Das Frühstück selbst ist auch sehr lieblos und dürftig. Allgemein ist es etwas seltsam, dass die komplette Familie dort lebt. Ich habe immer das Gefühl, ein Eindringling zu sein, wenn ich in den Gemeinschaftsräumen bin. Die Hostel-Küche ist nur ein Durchgangseck zur Familienküche, die immer abgesperrt ist. 

Osterinsel – Nützliche Infos

  • Die Zeitverschiebung nach Deutschland sind 7h, d. h. du kannst 7h später aufstehen als normal.
  • In unserem Sommer ist es dort Winter und mit bis zu 20 Grad tagsüber und 12 Grad nachts ziemlich kalt, wenn man bedenkt, dass es keine Heizungen gibt. Da ich aus Tahiti kam, fand ich es wirklich eiskalt.
  • Ca. 7000 Einwohner leben in Hanga Roa, der Rest der Insel ist ein Nationalpark.
  • Um 8h morgens ist es im Juni noch stockdunkel. Die Sonne geht erst um 9h auf. Sie hatten früher in Chile Sommer- und Winterzeit, aber die Regierung hat 2014 entschieden, das abzuschaffen.
  • Auf der Post kannst du dir gegen eine Spende einen schönen Stempel in deinen Reisepass geben lassen, der wirklich was hermacht.
  • Die meisten Waren sind auf der Osterinsel teurer als auf dem chilenischen Festland, weil alles importiert werden muss.
  • Die Sonneneinstrahlung ist auf der Insel sehr stark, nimm dir Sonnencreme mit hohem Lichtschutzfaktor mit und creme dich auch an bewölkten Tagen ein.
  • Die Ahus (Plattformen, auf denen die Moai stehen/standen) sind heilig, sodass man nicht einfach darauf herumstiefeln kann. Bitte respektiere das.

 

Osterinsel – Probleme

Durch ihre Abgeschiedenheit gibt es auf der Osterinsel auch einige erhebliche Probleme.

Eines dieser Probleme betrifft den Müll. Die Osterinsel wird immer mehr als Tourismusziel entdeckt und mit den Besuchern kommt auch der Abfall. 2015 haben 95.000 Menschen die Osterinsel besucht und zusammen mit den Einwohnern täglich durchschnittlich 7 Tonnen Müll verursacht. 80% davon kommt von den Touristen. Inzwischen werden einige Tonnen Müll (Plastik, Papier und Aluminium) pro Woche per Flugzeug aufs chilenische Festland transportiert, aber Batterien, Autowracks, Glas, und viele andere Reste bleiben auf der Insel. (Quelle)

Wichtig ist daher, als Tourist so wenig Müll wie nur irgend möglich zu produzieren. Und das, was man produziert, möglichst wieder mitzunehmen. Wenn du Tipps haben möchtest, wie man Müll vermeidet, schau dich mal auf meinem Blog in der Kategorie Zero Waste um.

Auch das Abwasser ist ein Problem auf der Osterinsel. Es gab noch nie eine Kanalisation. Das liegt daran, dass die Verantwortlichen es scheuen, Rohre zu verlegen, weil unter jedem Stein ein neuer archäologischer Fund lauern könnte. So haben die meisten Bewohner eine eigene Grube, in die die Abwässer geleitet werden. Mit der Gefahr, das Grundwasser zu verschmutzen. (Quelle)

Das Krankenhaus in Hanga Roa ist ein Typ 4 Krankenhaus, das bedeutet, das es nur die einfachste Versorgung gewährleisten kann. Allerdings ist das nächstgelegene Krankenhaus 3700 km entfernt, sodass alle Anforderungen für eine Bevölkerung von rund 7000 Menschen erfüllt werden müssen. So hat sich das Krankenhaus weiterentwickelt und entspricht heute einem höheren Standard als vergleichbare Typ-4-Krankenhäuser. (Quelle) Trotzdem ist man von besserer medizinischer Versorgung sehr weit entfernt, was man eventuell bedenken sollte, wenn man reiten oder tauchen möchte.

Osterinsel – Anreise

Es lohnt sich nicht, die Osterinsel für einen Kurztrip von Deutschland aus anzufliegen. Der Flug dauert zwischen 25 und 40 Stunden und ist sehr teuer. Außerdem gibt es für einen längeren Aufenthalt nicht genug zu sehen. Aber im Rahmen einer Reise nach Chile oder nach Tahiti kann man einen Zwischenstop einlegen.

Die Anreise auf die Osterinsel erfolgt normalerweise mit dem Flugzeug. Ich kam von Tahiti und bin danach weiter nach Santiago de Chile geflogen. Beide Flüge dauern 4-6 Stunden. Von Tahiti gab es nur einen Flug pro Woche, nach Santiago fliegt eine Maschine täglich. Die Osterinsel wird exklusiv von LAN Chile angeflogen. Die Maschinen sind teils sehr modern, allerdings hat die Fluglinie meist Verspätung, das solltest du in jedem Fall einkalkulieren.

Man kann die Osterinsel auch im Rahmen einer Kreuzfahrt besuchen. Man wird dann mit kleineren Booten auf die Insel übergesetzt und bleibt ein bis zwei Tage.

Ich empfehle dir die Anreise mit dem Flugzeug. Schau dir genau an, wie oft die Maschinen fliegen, damit du nicht unnötige Zeit auf der Insel fest sitzt. Es reichen zwischen 3 und 5 Tagen auf der Insel aus, um alles zu sehen. 3 Tage, wenn du durch eine Tour, die dir alles wichtige in Kürze zeigt, und ein Mietauto die Zeiten von A nach B verkürzt. 5 Tage, wenn du lieber mehr wandern oder Rad fahren willst.

Osterinsel – Fazit

Die Osterinsel war definitiv ein Highlight auf meiner einjährigen Weltreise. Gerade, weil ich es mir schon so lange gewünscht hatte, die Moai mit eigenen Augen zu bestaunen, war ich total glücklich, dass mein Traum endlich wahr wurde. 3 – 5 Tage reichen vollkommen aus auf der Insel. Wichtig ist, dass die Insel ein Müll- und Abwasserproblem hat, das man als Tourist im Hinterkopf behalten und sich entsprechend verhalten sollte.

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2 Replies to “Osterinsel – welche Geheimnisse am Ende der Welt auf dich warten”

  1. Julia

    Früher (als Kind) war es immer mein großer Traum mal auf Osterinsel zu besuchen. Jetzt hast du mir dieses Reiseziel wieder in Erinnerung gerufen.
    Da du sagst, dass es sich für einen Kurztrip nicht eignet, aber man in 3 Tagen schon alles gesehen hat, wie würdest du den Reiseverlauf empfehlen? Zum Beispiel vorher ein paar Tage in Santiago de Chile? Oder gibt es in der Nähe sonst noch etwas interessantes zu sehen?
    Liebe Grüße, Julia

    • Daniela Autor dieses Beitrags:

      Hallo Julia,
      schön, dass du dich wieder an deinen großen Traum erinnert hast!
      In der Tat ist die Osterinsel für einen Kurztrip wenig geeignet, weil sie einfach so weit weg ist und der Flug von Deutschland sehr lange dauert. Ich bin auf meiner einjährigen Weltreise von Neuseeland nach Französisch Polynesien (4200 km entfernt) und dann auf die Osterinsel und von dort nach Chile (3500 km entfernt) geflogen. Da lag das also praktisch genau auf dem Weg. Ansonsten kannst du aber auch eine Reise nach Chile machen und hängst dann die Osterinsel mit dran. 🙂
      Viele Grüße,
      Daniela

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