Müll pro Kopf: ein Selbstexperiment

Weil ich jetzt schon so oft gefragt wurde, wie viel Müll bei mir eigentlich noch anfällt, seit ich Zero Waste lebe, und wie ich das denn genau mache, will ich mich heute mal damit beschäftigen, wie viel Müll pro Kopf man eigentlich so produziert, wenn man sich an die 5 R’s des Zero Wast (refuse, reduce, reuse, recycle, rot) hält.

Wie alles begann

Früher habe ich weder Kompost noch Recycling getrennt, alles kam gemeinsam in den Restmüll. Obwohl wir eine Komposttonne im Müllhäuschen im Garten haben und der Recyclingmüll 3 Minuten von meinem Haus entfernt eingeworfen werden kann. Das war mir aber alles zu anstrengend. Es war viel einfacher, alles zusammen in die große Mülltonne zu werfen. Nur Papiermüll sammelte ich extra. Da ist auch eine große Tonne im Müllhäuschen. Den Restmüll musste ich mindestens einmal die Woche rausbringen. Wenn ich am Wochenende kochte, sogar noch öfter. Denn dann war der Eimer sofort voll mit Verpackungen und Gemüseresten. Dann fing ich mit Zero Waste an und ging den zugegebenermaßen kleinen Schritt, einen Behälter für Kompost und eine Tüte für Recycling in meiner Küche aufzustellen.

Bis vor kurzem hatte ich dann folgende Behälter bei mir in der Wohnung:

  • Papiermüll (wird alle 2 – 3 Monate geleert)
  • Kompost: eine Plastikschüssel steht auf dem Küchentresen und dort kommt aller organischer Abfall rein. Der Kompost muss ungefähr alle 3 – 7 Tage geleert werden, je nachdem, wie viel und was anfällt.
  • Badmüll: dort hinein kamen einerseits die Shampoo- und Duschgelflaschen und andere Dinge, die ich noch aufbrauchte. Andererseits fällt bei mir aber auch noch etwas Müll im Bad an: Wattestäbchen und Zahnseide zum Beispiel. Oder Klingen für meinen Rasierer. Der Badmüll musste ca. alle 6 – 8 Wochen geleert werden.
  • Recycling: als ich mit Zero Waste anfing, stellte ich eine große Mülltüte neben meinen Küchentresen. Dort hinein kam alles, was ich bei der Recyclinginsel um die Ecke einwerfen kann: Milchverpackungen, Plastikfolie, Aluminium, Becher. Diese Tüte brachte ich ca. alle 4 – 6 Wochen weg, zusammen mit den Glasflaschen, die ich auch an der Recyclinginsel einwerfen kann. Da hat ja jede Gemeinde ihr eigenes System.
  • Restmüll in der Küche: der normale Eimer unter der Spüle. Dort hinein kam der Restmüll, der nicht im Bad anfiel. Diesen Eimer leerte ich nun nur noch alle 4 Wochen. Da dort hinein eigentlich nichts Nasses mehr kam, konnte da auch nichts schimmeln, faulen und damit stinken und somit waren die großen Abstände bis zur nächsten Leerung auch überhaupt kein Problem.

Jetzt habe ich gerade auf ein neues System umgestellt und teste es. Folgende Behälter kommen bei mir zum Einsatz:

  • Papiermüll und Kompost wie gehabt
  • die Recyclingtüte ist in den Restmülleimer unter der Spüle gewandert. Der ist zwar um einiges kleiner als die Tüte früher, aber dann muss ich halt etwas öfter zur Recyclinginsel gehen. Ist nur 3 Minuten von meinem Haus entfernt.
  • Der kleine Badeimer steht jetzt neben meinem Küchentresen. Da ich wirklich kaum noch Restmüll habe, kann das ein sehr kleiner Eimer sein. Das meiste, was ich da rein werfe, sind noch Überbleibsel aus meinem Leben vor Zero Waste, also Sachen, die ich aufgebraucht habe und nicht mehr nachkaufe.

So, und damit du mal siehst, was bei mir noch an Restmüll anfällt, habe ich mal eine Woche dokumentiert, was da so zusammenkam:

Sonntag

Eine Woche Müll-003

An diesem Tag habe ich eine Tube Waschgel aufgebraucht. Jetzt verwende ich ein Waschgel von Lush, die Verpackung kann ich später wieder im Laden zurück geben, damit sie wiederverwendet wird. Also in Zukunft kein Müll mehr.

Montag

Eine Woche Müll-004

Ein Pflaster (hatte ne Blase am Zeh vom Salsa Tanzen)

Dienstag

Eine Woche Müll-005

2 ausgeleierte Haargummis (Altlasten von früher)

2 Wattestäbchen (eins für die Ohren und das andere, um meine verschmierte Mascara zu richten)

Mittwoch

Eine Woche Müll-006

2 Wattestäbchen (dito)

Pizzakarton: ja, richtig, der Pizzakarton gehört in den Restmüll, obwohl er aus Pappe ist. Denn sobald da Öl dran ist, kann die Pappe nicht mehr recycelt werden. Tja… Ich hab von einem Event abends noch übrig gebliebenes Essen mit heim genommen. Hatte meine Edelstahldose nicht dabei. Und musste mich deshalb mal wieder entscheiden, ob ich lieber Essen wegwerfen lasse oder einen Pappkarton nehme. Habe mich dann für den Pappkarton entschieden. Das größte Teil in meinem Restmüll diese Woche.

Donnerstag

Eine Woche Müll-007

1 Wattestäbchen

Freitag

Eine Woche Müll-008

1 ausgeleierter Haargummi (ich hab sozusagen großreinegemacht bei den Haargummis diese Woche)

1 Stück Zahnseide

1 Fläschchen mit einer Lösung für die Haut war leer

1 Bio-Aufkleber von einer Grapefruit aus dem Biomarkt

Samstag

Eine Woche Müll-009

1 Wattestäbchen

1 kleine Haarspraydose (auch Altlast)

Fazit

müll pro kopf

Du siehst, es ist wirklich verschwindend gering, was bei mir noch an Restmüll anfällt. Diese Woche war auch eher viel, weil ich so viele Sachen aufgebraucht habe. Das ist nicht jede Woche so. Ich werde in ein paar Monaten nochmal eine Woche dokumentieren, damit du einen Vergleich hast.

Zum Vergleich: Müll pro Kopf in Deutschland

In Deutschland produziert jeder Bundesbürger im Jahr durchschnittlich 617 kg Restmüll und Verpackungen im Jahr (Quelle). Und damit 130 kg mehr als der Durchschnitt in der EU. Wir sind also quasi Mülleuropameister. Ein Titel, auf den wir nicht stolz sein sollten.
In einem anderen Artikel heißt es, dass alleine die Verpackungen beim Durchschnittsdeutschen 213 kg Müll im Jahr ausmachen. Besonders der Internetversandhandel und die Coffee-To-Go-Becher schlagen hier extrem zu Buche. Die Kaffeebecher sind zwar zu 95% aus Papier, aber durch die Kunststoffbeschichtung (damit der Becher nicht durchweicht) kann er nicht mehr recycelt werden.

Erster Schritt

Schau doch mal bei dir zu Hause hin, was den meisten Müll produziert. Genau an diesem Punkt könntest du ansetzen. Und dich zum Beispiel am Plastic Free July beteiligen. Muss auch keinen ganzen Monat sein. Man kann es auch nur mal einen Tag machen. Und schauen, wie das so ist. Und dann hinterlass mir gerne einen Kommentar unter diesem Artikel!

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