Mein Milchtest oder warum Sojamilch nicht Sojamilch heißen darf

Als ich anfing, mich vegan zu ernähren, fand ich den Geschmack von Sojamilch schrecklich. Ich war Kuhmilch gewöhnt, die es zwar auch in unterschiedlichen Geschmäckern gibt, denn Frischmilch schmeckt ja bekanntlich ganz anders als H-Milch, aber Sojamilch ist dann doch nochmal ne ganz andere Hausnummer.

Die ersten Erfahrungen

Ich kaufte mir am Anfang gleich mal unterschiedliche Arten von Pflanzenmilch, von Soja- über Mandel- bis Vanille-Sojamilch. Es waren welche mit zugesetztem Calcium dabei, einige ungesüßt und andere gesüßt. Ich testete sie alle gegeneinander und, welch Überraschung, die süßeren schmeckten mir besser als die ungesüßten. Mein Favorit war die Milch mit Vanillegeschmack. Allerdings ist es für mich auch nicht wirklich eine Lösung, mit meinem täglichen Müsli etwas zu mir zu nehmen, was wahnsinnig viel Zucker enthält. Ich entschied mich letztlich für die Sojamilch mit Calcium.

Neue Sorten

Vor kurzem war ich wieder im Bioladen und entdeckte, dass es inzwischen einige neue Sorten im Sortiment gibt und weil ich immer so neugierig bin, kaufte ich 6 unterschiedliche Arten von Pflanzenmilch, um zu Hause einen kleinen Test durchzuführen.

Der Test

Da ich nicht wollte, dass die Milch schlecht wird, teilte ich den Test in 2 x 3 Milchsorten auf. Als erstes standen auf dem Programm:

  • Hafermilch ungesüßt
  • Dinkelmilch ungesüßt
  • Mandelmilch ungesüßt

Ich füllte jeweils eine kleine Menge der Milch in eine Tasse und probierte. Einige Milchsorten sind natürlicherweise süßer als andere. Die Mandelmilch schmeckte gar nicht süß im Gegensatz zu den anderen beiden, sodass mein Urteil folgendermaßen ausfiel:

  • Hafermilch: süß und lecker (Zuckergehalt: 5,2 g auf 100 ml)
  • Dinkelmilch: auch gut, auch sehr süß (Zuckergehalt: 5,7 g auf 100 ml)
  • Mandelmilch: schmeckt mir nicht (Zuckergehalt: <0,5 g auf 100 ml)

Der Zuckergehalt zeigt schon, warum ich die beiden ersten Milchsorten so lecker fand. Ich war dann nicht mehr so erfreut, als ich die Zahlen schwarz auf weiß sah. Auch wenn der Zucker natürlich ist und nicht zugesetzt, ist es einfach Zucker und somit nicht besonders gesund für den Körper.

Der zweite Teil des Tests bestand aus:

  • Kokos-Reis-Milch
  • Amaranth-Reis-Milch
  • Soja-Reis-Milch

Milchtest

Dieser Teil des Tests lief genau ab wie der erste. Ich füllte jeweils eine kleine Menge in eine Tasse und probierte mich durch. Hier die Ergebnisse:

  • Kokos-Reis-Milch: ganz lecker, etwas dünnflüssig, nicht so dick wie z.B. Sojamilch. Aber auch bei weitem am wenigsten Kalorien (Zuckergehalt: 1,9 g auf 100 ml, 20kcal)
  • Amaranth-Reis-Milch: ungewohnter Geschmack (wegen des Amaranths), sehr süß, aber nicht schlecht (Zuckergehalt: 5,2 g auf 100 ml, 39kcal)
  • Soja-Reis-Milch: gewohnter Geschmack (ich nehme sonst immer Sojamilch), gut und lecker (Zuckergehalt: 4,7 g auf 100 ml, 44kcal)

Auf einer Skala von 1 – 5 (von schlecht nach gut) würde ich den Geschmack so bewerten:

  • Hafermilch: 5
  • Dinkelmilch: 5
  • Mandelmilch: 1
  • Kokos-Reis-Milch: 3
  • Amaranth-Reis-Milch: 4
  • Soja-Reis-Milch: 4

Preis

Die Preise waren, für mich überraschenderweise, sehr unterschiedlich. Sojamilch (die verbreitetste von all diesen Pflanzenmilchtypen) ist am günstigsten.

Die Preise für 1 Liter sehen so aus:

  • Hafermilch: 2,95 €
  • Dinkelmilch: 1,65 €
  • Mandelmilch: 2,95 €
  • Kokos-Reis-Milch: 2,65 €
  • Amaranth-Reis-Milch: 1,95 €
  • Soja-Reis-Milch: 0,99 €

(Zur Info: ungesüßte Sojamilch kostet bei Alnatura, wo ich immer einkaufe, 0,95 € und ein Liter H-Milch von der Kuh mit 3,5% Fett 1,09 € (Stand Mai 2016)).

Erstmal finde ich es gut, dass es zumindest ein paar Alternativen zur Kuhmilch gibt, die zu einem ähnlichen Preis zu haben sind. Andererseits wird mir schon ganz anders, wenn ich mir die Preise der anderen Pflanzenmilchsorten anschaue. Bis zum dreifachen des Kuhmilchpreises muss man teilweise ausgeben, das ist echt viel! Da ich momentan auf mein Budget achten muss, werde ich hier Geschmack und Preis gemeinsam entscheiden lassen. Gut, dass die Mandelmilch mit die teuerste ist, das tut mir nicht weh… Ich werde wohl weiter bei der Sojamilch bleiben und wenn ich mal Abwechslung brauche, auf die Soja-Reis- oder die Dinkelmilch zurück greifen. Ich wollte auch schon immer mal Pflanzenmilch selbst herstellen, das soll wirklich sehr einfach sein. Die mentale Notiz ist soeben erstellt.

Die Sache mit dem Namen

Und falls du dich fragst, warum ich hier immer Sojamilch schreibe, obwohl auf der Packung Sojadrink steht: das ist eine gesetzliche Regelung. Das Wort Milch darf nur für Kuhmilch verwendet werden, bei anderen Tiermilcharten muss die Art des Tiers dabei stehen, für Pflanzenmilch darf das Wort gar nicht verwendet werden. Die Milchlobby will ihr Produkt schützen. Und ich glaube, das verfehlt auch nicht seine Wirkung, denn ich zumindest finde das Wort Sojadrink wesentlich weniger attraktiv als das Wort Sojamilch. Ich hätte früher angenommen, dass der Sojadrink sehr viele künstliche Zusätze enthält. Und hätte ihn stehen lassen.

Aber damit noch nicht genug: die Milchlobby hat auch durchgesetzt, dass Pflanzenmilch nicht wie andere Lebensmittel bezuschusst wird, indem nur 7% Mehrwertsteuer anfallen, sondern diese Produkte werden mit 19% Mehrwertsteuer belegt. Und da viele Verbraucher hauptsächlich nach dem Preis schauen beim Einkaufen, ist Pflanzenmilch da auch schon mal extrem benachteiligt.

Leider gibt es Pflanzenmilch auch nur im Tetrapak und nicht in Glasflaschen. Das hat mich am Anfang meiner veganen Ernährung ziemlich lange überlegen lassen, ob ich mich jetzt lieber für die vegane oder für die Zero-Waste-Variante entscheide. In diesem Fall hat die vegane Variante für mich gesiegt, manchmal kann man einfach nicht alles haben.

Und falls du jetzt zu bedenken gibst, dass gerade Soja ja generell ein Problem ist, da für den Anbau von Soja der Regenwald abgeholzt wird: dann möchte ich dagegen halten, dass 2/3 der weltweiten Sojaproduktion in die Herstellung von Tierfutter gehen. Wenn also keine Tiere mehr gegessen würden, würde die Sojaproduktion ausreichen, um alle Menschen auf dieser Welt zu ernähren. Und es müsste kein Regenwald mehr gerodet werden.

Ach so, fast hätte ich’s vergessen: inzwischen schmeckt mir Sojamilch richtig gut. Ich hab mich an den Geschmack gewöhnt. Vor kurzem hab ich mir sogar mal ein großes Glas eingeschenkt und es einfach so getrunken, das hätte ich früher nie für möglich gehalten.

Probier doch auch mal, wie Pflanzenmilch schmeckt! Und schreib mir deine Erfahrungen in die Kommentare!

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2 Replies to “Mein Milchtest oder warum Sojamilch nicht Sojamilch heißen darf”

  1. Mike Neumann

    Also, seit 1.5 Jahren ernähre ich mich (fast) vegan und trinke viel Soja- Mandel- (die ich selber herstelle) und Hafermilch. Ich hatte früher gerne Kuhmilch getrunken aber nie wirklich vertragen, aber heute gibt es da keine Probleme mit der Pflanzenmilch.
    Ich nenne das übrigens auch Milch.
    P.S. Die angegebenen Preise sind Gott sei dank nicht ganz so extrem für Hafermilch. Bei uns im EDEKA gibt es sie von Alnatura für 1.49€
    Liebe Grüße aus Dessau-Roßlau von Mike

    • Daniela Autor dieses Beitrags:

      Hallo Mike,
      super, dass du auch günstigere Hafermilch bei dir im Supermarkt findest! Selber machen ist natürlich nochmal besser, da weiß man genau, was drin ist und kann die Zusammensetzung ganz nach Geschmack anpassen.
      Viele Grüße,
      Daniela

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