Ich bin dir noch was schuldig…

Während des gesamten Julis lief in meinem Coworking Space Impact Hub Munich die Plastic Free July Challenge. Dabei ging es darum, so viel Einmalplastik wie möglich zu vermeiden. Hier findest du einen ausführlichen Artikel dazu, was alles passiert ist während dieser Zeit im Hub und was bei der ganzen Aktion herauskam.

Heute möchte ich mich den Fragen widmen, die Members im Hub auf einem Flipchart gestellt haben, und die bisher noch nicht beantwortet wurden. Ich beantworte die Fragen immer in der Sprache, in der sie gestellt wurden. Weiterführende Links sind dann meist auf deutsch.


Frage 1 – Plastic Free July

Wann bekommen wir Antworten????

Jetzt! 🙂

Frage 2 – Plastic Free July

Kommen Plastikschalen von Gemüse, … in den Recycling-Müll?

Das kommt auf die Gegend an, in der du wohnst. In München beispielsweise gibt es das 3 Tonnen-System (Restmüll, Papier, Bio) mit den zusätzlichen Wertstoffinseln in den Wohngebieten für Glas, Kunststoffe und Metall. In diesem Fall kommen Plastikschalen in den Recyclingmüll, der dann zur Wertstoffinsel gebracht wird oder auf dem Wertstoffhof abgegeben werden kann. Auf dieser Trennliste kann man nachlesen, was in München alles in die 3 Tonnen gehört.
In anderen Regionen wird der gelbe Sack verwendet, der zum sogenannten „Dualen System“ gehört (also nur Restmüll und Gelber Sack). Dort hinein gehören als Faustregel alle Verkaufsverpackungen, die nicht aus Glas oder Papier sind. Beispiele: Schalen für abgepacktes Obst und Gemüse, Joghurtbecher, Getränkekartons, Konserven- und Getränkedosen, Plastiktüten.

 

Frage 3 – Plastic Free July

Is „organic plastic“ a good alternative (e.g. for food)?

Not really. The organic plastic bag was produced so that it could be composted within 3 months. Modern compost works are much faster than this: they take only 3 to 4 weeks to make compost out of the organic waste. So there will be remains of the organic plastic in the compost which no-one will buy. That’s the reason why compost works nowadays have to separate the organic plastic from the organic waste in the exact same way than the conventional plastic. Both will be combusted then.

In the production process of both the organic and the conventional plastic bag, they are on par. And once the organic plastic reaches the sea, it will not degrade anymore since the conditions are not ideal for this process there.

Für weitere Informationen gibt es hier einen ausführlichen Artikel zu den verschiedenen Tütenalternativen.

 

Frage 4 – Plastic Free July

How should chocolate be packaged? Plastic? Alu? …?

Chocolate should be packaged without the use of aluminum. Oftentimes, organic chocolate also comes with a more environmental friendly packaging than conventional chocolate. GEPA, for example, uses renewable resources like cellulose in over 90% of their new packaging.

Mehr Infos und Tipps gibt es hier

GEPA erklärt genau, warum ihre Schokolade nicht in Papier eingepackt wird. Mehr Hintergrund zur Schokoladenverpackung von GEPA gibt es hier.

 

Frage 5 – Plastic Free July

Was ist so schlimm an Plastik? Ich liebe diese Errungenschaft! Es ist doch wunderbar, wenn Öl nicht direkt verbrannt wird, sondern vorher noch als Plastik genutzt wird.

Natürlich ist es besser, wenn Öl nicht direkt verbrannt wird, sondern noch anders genutzt wird.

Das Problem fängt allerdings schon vorher an.

Öl ist ein endlicher Rohstoff, der nicht verschwendet werden sollte. Wir sollten wenn möglich auf Rohstoffe ausweichen, die nachwachsen.

Nicht das gesamte Plastik, das auf der Welt produziert wird, wird auch verbrannt. In Deutschland ist die Verbrennungsquote relativ hoch, in anderen Ländern landet das Plastik auf Mülldeponien. Von dort und auch generell landet es schnell in Flüssen, Seen und schließlich im Meer. Dort wird es im Jahr 2050 mehr Plastik als Fische geben. Alleine die Donau schwemmt jeden Tag 4,2 Tonnen Kunststoff ins Meer.
Einer neuen Studie zufolge gelangt bereits jetzt pro Minute eine LKW-Ladung voll Plastik in die Meere. (Quelle: Stern April 2016)
Im Meer dauert es dann bis zu 500 Jahre, bis eine Plastiktüte vollständig zersetzt ist. In der Zwischenzeit landen die Plastikreste aber in den Mägen von Fischen und Seevögeln, die daran kläglich verenden oder durch die Nahrungskette an uns weiter geben.

Zudem ist Plastik schädlich für die Gesundheit, wenn es in Kontakt mit Haut oder Lebensmitteln kommt. Plastik enthält giftige und krebsverursachende Chemikalien. Und zwar jedes Plastik. Denn auch, wenn auf manchem Plastik mit „BPA free“ oder „ohne Phthalate“ geworben wird: damit Plastik nicht spröde wird, werden Weichmacher zugesetzt. Je dünner das Plastik, desto mehr Weichmacher ist enthalten. Die Plastiktüte aus dem Supermarkt ist damit also gesundheitsschädlicher als die Hartplastikbrotdose. Es gibt hunderte verschiedener Weichmacher, wenn also „BPA free“ drauf steht, ist ein anderer Weichmacher enthalten. Und diese Weichmacher können beispielsweise die männliche Fortpflanzungsfähigkeit beeinträchtigen. Wer einen kurzen Überblick über die Vielzahl der Weichmacher erhalten möchte, die es so gibt, der scrolle einfach durch die Liste auf der Webseite weichmacher.de.

Das Umweltbundesamt hat häufige Fragen zu Phthalaten bzw. Weichmachern beantwortet.

Sehr empfehlen kann ich den Film Plastic Planet, den man sich kostenlos online anschauen kann.

 Plastic Ocean

Frage 6 – Plastic Free July

Ist ohne Plastik immer die beste Alternative? vgl. Alu, Konserven, Glas, …?

Das kommt darauf an, wofür man Plastik verwenden möchte. Bei Lebensmitteln steht das Gesundheitsrisiko ganz klar im Vordergrund (siehe Frage 5). Deswegen sind Plastikverpackungen generell nicht empfehlenswert für Lebensmittel.

Aber auch Alu ist keine gute Verpackung für Lebensmittel, da es nicht säureresistent ist. Deswegen werden Aluminiumdeckel und -dosen von innen mit einer dünnen Plastikschicht versehen, um das Herauslösen des Aluminiums durch säurehaltige Speisen zu verhindern. Also ist man hier auch wieder beim Plastik.

Glas ist geruchs- und geschmacksneutral und hat eine hohe Recyclingquote. Allerdings ist es schwer und kann eben auch leicht kaputt gehen. Als Alternative für Plastikboxen in der Küche, die nur aus dem Schrank auf die Küchentheke und wieder zurück bewegt werden, ist es sicherlich gut geeignet.

Edelstahl ist eine gute Alternative für Plastik, Alu und Glas in der Küche. Es ist langlebig, robust, leicht zu reinigen, leicht und recyclebar. Gerade für Brotdosen und Trinkflaschen, also alle Dinge, die man unterwegs verwenden will, ist es ideal.

Geht man weg aus dem Bereich Lebensmittel, hat man bei einigen Produkten gar keine Wahl. Handys oder Computer gibt es nunmal nicht ohne Plastik. Aber es geht ja generell vor allem erst einmal um die Einmalplastikverpackung, die es zu vermeiden gilt, um die Umwelt zu schonen. Und da ist ohne Plastik auf jeden Fall die beste Alternative.

 

Frage 7 – Plastic Free July

How „good“ is recycled plastic?

Due to all the chemicals contained in most plastic it is difficult to recycle, so only less than 10% of all plastic goes that route.

Recycling plastic is almost always a down cycling process. This means that plastic that has been recycled once cannot be recycled again, so it will go to landfill or will be combusted in the end. Another issue with recycled plastic: if you take bags made out of old truck canvas or tires, the original material was never made for the intense contact with human skin. So you never know which additives contained could be harmful for your health.

 

Frage 8 – Plastic Free July

Is single-use paper better? brown bags etc.

Surprisingly no, it is not. In the production process, around twice as much energy is needed for a paper bag than a plastic bag. Apart from this, a paper bag is not as durable as a plastic bag and will probably be thrown away sooner. In the recycling process, a paper bag (especially the brown bag) is indeed better than a plastic bag. However, the best option is to use organic jute bags which can be reused over one hundred times.

Für weitere Informationen gibt es hier einen ausführlichen Artikel zu den verschiedenen TütenalternativenEine weitere Quelle für den Vergleich von Plastik und Papier findest du auf hr-online.de.

Frage 9 – Plastic Free July

Welche echte Alternative gibt es für Plastik? Neue Materialien etc.

Der Zukunftstrend ist ganz klar Bioplastik. Bioplastik wird teilweise heute schon verwendet, steckt aber noch in der Forschung und ist sehr umstritten. Bioplastik wird aus Soja, Mais oder auch Zuckerrüben hergestellt. Als Bioplastik dürfen alle Stoffe bezeichnet werden, die entweder aus Biomasse hergestellt sind UND/ODER biologisch abbaubar sind. D.h. dass ein Stoff aus Biomasse hergestellt sein kann, aber NICHT biologisch abbaubar ist, und trotzdem Bioplastik heißen darf. Die Kosten für die Herstellung von Biokunststoffen sind höher als die von herkömmlichen Kunststoffen und der Anbau ist aufgrund der begrenzten Anbauflächen gerade in Europa nicht frei von Kritik. Zum jetzigen Zeitpunkt hat Bioplastik weder Vor- noch Nachteile gegenüber dem herkömmlichen Plastik, doch bleibt zu hoffen, dass in Zukunft Bioplastik eine bessere Ökobilanz aufweisen wird. (Quelle)

Bioplastik sollte innerhalb eines Jahres vollständig im Meer abgebaut werden können und sollte keine gesundheitsschädlichen Weichmacher enthalten. Solches Bioplastik scheint es auch schon zu geben, aber es wird noch nicht in größeren Mengen hergestellt. (Quelle)

Im Bereich Kleidung geht der Trend zu neuen Materialien wie Algen, Kork, Ananas oder Soja. Aus Soja wird beispielsweise Seide hergestellt, Kork und Ananas können zu Lederersatz verarbeitet werden und erstrahlen dann als „Leder“-Jacken oder -Schuhe in neuem Glanz.

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